Pino Canario – die Kanarische Kiefer

Pino Canario

Teneriffas Landschaft besticht durch ihr farbenfrohes und abwechslungsreiches Erscheinungsbild, was ganz besonders an den unterschiedlichen Klimazonen und damit auch Pflanzen liegt. Ein Pflanze darf in keinem Reiseführer über Teneriffa fehlen. Die Pino Canario ist immer dabei.

Pino Canario

Eine absolute Besonderheit unter den endemischen Pflanzen Teneriffas stellt die kanarische Kiefer dar, auch Pino Canario, also kanarische Pinie genannt. Dabei zählt sie zur Familie der Kieferngewächse und den botanischen Namen Pinus Canariensis.

Eigenschaften der Kanarischen Kiefer

Auf Teneriffas gibt es teils sehr dichte Wälder, die mitunter wild die Hänge der Felsformationen bewachsen. An den Passat-exponierten Hangseiten wächst sie in Höhen von 600 Meter bis 2100. Die Pino Canario ist ein perfekt angepasstes Gewächs und es zwei besonders ausgeprägte Eigenschaften. Zum einen kann sie Wasser aus den Wolken gewinnen und zum anderen regeneriert sie sich nach Waldbränden ausgesprochen schnell.

Sie entwicklet im Laufe ihres Daseins in der Regel eine Höhe von 20 bis 25 Metern erreichen und erreicht einen Durchmesser von 50 cm bis 100 cm.  Im Südwesten Teneriffas findet sich ein gut 60 Meter hoher Baum mit einem Stammdurchmesser von 265 Zentimetern. Damit ist die Kanarische Kiefer die größte rezente Kiefer in der Alten Welt.
Man kann bei dieser robusten Baumart durchaus von einem langen Bestehen sprechen, denn die Lebensdauer der kanarischen Kiefer liegt zwischen 250 und 300 Jahren. Das Eigentümliche an der Kiefer sind neben ihrer beeindruckenden Größe vor allem die Länge und die Anzahl ihrer Nadeln. Denn diese sind deutlich länger als bei anderen Kiefernarten und sie besitzen obendrein noch eine besondere Funktion.

Wasser aus den Wolken ziehen

Die Fähigkeit der Pino Canario Wasser aus Wolken zu ziehen ist unbestritten und sicherlich ist es auch eine Eigenschaft die nicht viele Pflanzen haben. Im Laufe der Jahre haben die Eigenschaften jedoch legendäre Ausmaße angenommen, die kuam noch jemand zu hinterfragen scheint. Doch schauen wir zunächst auf die Fakten.

Durch die bereits angesprochenen Passatwinde auf den Kanaren kommt es regelmäßig in gewissen Höhenlagen zur Bildung von Wolkenschichten und Nebelschwaden. Diese können scheinbar einen sogenannten horizontalen Regen erzeugen. Die fächerartig verteilten Nadeln können durch ihre breite Fläche und durch ihre Länge Wasser aus dem Nebel kondensieren. Dabei scheint diese Menge sogar so groß zu sein, dass teilweise ein Überschuss erzeugt wird, der an den Boden und in das Grundwasser abgegeben. Häufig wird eine Menge von druchschnittlich einem Liter pro Tag erwähnt. Her dürfte jedoch schon eine Menge Spekulation dabei sein.

Legenden zur Pino Canario und dem Grundwasser

Dank dieser Eigenschaft findet man inzwischen Beschreibungen, die der Kanarischen Kiefer die Eigenschaft zusprechen parktisch das gesamte Grundwasser der Insel bereitzustellen. Vor allem soll sie im Sommer dafür sorgen, dass alles schön grün ist. Letzteres ist jedoch schon mit blossem Auge als sehr fragwürdig zu erachten. Im Sommer sind Wolken oder auch Nebelschwaden in den Höhenlagen der Pino Canario höchst selten. Von daher stellt sich die frage, woher das Wasser gewonnen werden soll. Zudem ist es ja nicht nur dort grün, wo es die Pino Canario gibt, sondern meisten dort, wo es regnet. Denn auch in den Cañadas blüht zeitweise eine ganze Menge und das hat ganz sicher nicht mit der Pino Canario zu tun.
Auch die Theorie mit der Grundwasserversorgung könnte man sehr einfach mit Grundschulmathematik überprüfen. Nehmen wir mal die Pino Canario würde wirklich einen Liter im Schnitt am Tag an das Grundwasser abgeben. So wären dies im Jahr 365 Liter. Wir kommen den verfächtern der Grundwassertheorie entgegen und nehmen daher an, dass ein Baum 10 qm zum wachsen braucht. So entspräche dies 36,5 Litern pro Quadratmeter in einem, Jahr.
Im Süden der insel liegt die Niederschlagsmenge bei rund 100 Litern pro Quadratmeter und dieser Teil ist wesentlich trockener als der Norden. Aber selbstverständlich gibt es nur auf einem Bruchteil der Insel überhaupt die kanarische Kiefer. Wenn also der Beitrag zum gesamten Grundwasser 5 Prozent ausmachen soll, wäre dies schon eine extrem optimistische Einschätzung. Der Großteil des Grundwassers kommt durch den Niederschlag in den Bergen und sickert sehr langsam druch die Felsen.

Selbstverständlich ist die Pino Canario für Ihre unmittelbare Umgebung und das gesamt Ökosystem sehr wichtig und dies soll auch gewürdig werden. Sie erreicht jedoch keinen Durchmesser von 100 Metern und kommt auch nicht nur auf Teneriffa vor. All dies und ähnlich Dinge kann man lesen und hört es zu Weilen auch von Reiseleitern. Einige Dinge mögen reine Flüchtigkeitsfehler sein und man muss den Reiseleitern auch zu Gute halten, dass das einfach wirklich oft erzählt wird.

Das Regenrationswunder nach Waldbränden

Kanarische Kiefern kommen in sehr Feuergefährdeten Lebensräumen vor und haben sich im Laufe der Evolution an regelmäßige Waldbrände angepasst. Zum einen ist es einfach extrem trocken und zum anderen gibt es einen aktiven Vulkanismus. Hierbei haben sie Strategien entwickelt um das Überleben eines einzelnen Baumes und vor allem auch der lokalen Kiefer-Population zu sichern. Die Pino Canario hat eine besonders dicke Borke, die sie vor dem Feuer schützt. Dabei weist insbesondere das Zentrum des Stammes eine auffallende Härte auf. Die kanarische Kiefer kann besonders nach Brand aus Knospen wieder austreiben. Dieses Austreiben kann man aktuell beobachten, wenn man über den Süden hoch in die Cañadas fährt. Insgesamt ist es ein beeindruckendes Schauspiel, wie in den Jahren nach dem Brand der schwarze Stamm und die grünen Triebe einfach weiterwachsen.
Die Samen sind groß und ebenfalls sehr hitzeresistent. Sie können Brände in den noch geschlossenen Zapfen überleben.

Brauchbares Baumaterial

Eine weitere nützliche Eigenschaft der kanarischen Kiefer ist die besondere Härte und vor allem die Beständigkeit des Holzes. Daher hat man sie für die kanarischen Stilbauten und historische Gebäude sowie für viele eindrucksvolle Kolonialbautenverwendet. Auch die wunderschönen geschnitzten typisch kanarischen Balkone werden meistens aus dem Holz der Kiefer gefertigt. Daher ist die kanarische Kiefer nicht nur ein absoluter Blickfang, sondern vom wirtschaftlichen Aspekt aus betrachtet mitunter die wichtigste Baumart auf Teneriffa und den Kanaren insgesamt.

Wie Sie sehen, ist diese Baumart ein wirkliches Meisterwerk der Natur. Bewundern Sie die Schönheit und die besondere Gestalt der kanarischen Kiefer.

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